„Dieser intelligente Kühlschrank wird das Leben jeder Familie revolutionieren!“ rief der CTO bei einem meiner ersten Design Thinking Workshops vor 13 Jahren in den Saal und alle klatschten begeistert. Seitdem habe ich unzählige Tech-Konferenzen besucht, wurde selbst Mitgründerin eines dieser aufregenden IoT-Start-ups und beriet etwa eine Handvoll DAX-Konzerne als sog. Innovation Consultant. Und merkte dabei Stück für Stück, irgendwas läuft hier schief in meiner Digital-Bubble – aber was?

Der Hype um trendige Ideen – warum stehen sie so oft im Fokus?

Der Beginn einer Spurensuche: Es gab zum Beispiel diesen Moment zu Mobisol-Zeiten, als wir die Welt mit autonom fliegenden Drohnen über der afrikanische Steppe fesselten – während unsere internen Kanäle mit wütenden Memes heiß liefen, weil die Mitarbeitende vor Ort unsere Firmware-Patches immer noch von Hand einspielen mussten. War diese Beschäftigung mit zukunftsweisenden Technologien gerade wirklich wichtiger? Oder missversteht so mancher CEO bewusst den Ausdruck „lösungsorientiert denken“, um sich mit den neuesten technischen Gadgets auseinanderzusetzen, für die danach dann (vielleicht) ein passendes Problem gefunden wird?

Ein weiterer Hinweis: Ich beriet ein Unternehmen, das High-End Solarkollektoren baute und deren Entwicklungsteam gerade das Go bekommen hatte, einem Inkubator beizutreten um KI in die Projektierung solcher Anlagen zu integrieren. Die technischen Details lasse ich hier aus, interessant wurde es, als wir frühere Nutzerforschungen im ägyptischen Werk besprachen: An bewölkten Tagen schien die Hauptaufgabe des lokalen Werksleiters einem 70er Jahre Film zu entspringen: Er sprang ständig zwischen den Fenstern in verschiedene Himmelsrichtungen hin und her und verglich das, was er sah mit dem Wolkenradar auf seinem Handy. Mit diesen Anhaltspunkten hielt er dann komplett manuell übers Öffnen und Schließen der verteilten Ventile das System davon ab, zu überhitzen. Könnte es sein, dass man in vielen Unternehmen nur etwas vom reizvollen Innovations-Spielgeld abbekommt, wenn im Antrag von Hackathons und mindestens einem im Trend liegenden Hashtag gesprochen wird?

Inzwischen bin ich bei diconium data gelandet und sauge alles auf, was mit dem Sammeln und Verwerten von Daten zu tun hat. Gerade höre ich auf dem Heimweg einen beliebten Branchen-Podcast, da registriere ich noch ein weiteres Indiz: Denn während ich gleichzeitig die Interviewpartner im Ohr habe, wie sie BI-Lösungen zur Optimierung von Regalverfügbarkeiten im Lebensmittelhandel abfeiern, kann ich eine Mitarbeiterin dabei beobachten, wie sie sich im Feierabend-Gewusel verzweifelt darum bemüht, den richtigen Joghurts ihre 15%-Sticker aufzukleben. Sind einige dieser digitalen, nicht-anfassbaren Innovationen vielleicht in solchen Höhen unterwegs, dass die Entwickler:innen irgendwie vergessen, den Kontext und seine Akteure mitzudenken?

Fazit

Wie in diesem gern genutzten Gleichnis mit den blinden Männern auf dem Elefanten scheint es also verschiedene Antworten auf meine ursprüngliche Frage zu geben. Für die einen ist es ein Innovationsfetisch, für andere Innovation Theater und wieder andere kritisieren die Fixation auf das Dinge verbessern in v.a. deutschen Unternehmen. Und wie weiter?

Fokus auf das Kernproblem statt auf den Hype Cycle

Es muss nicht gleich eine sog. künstliche Intelligenz (KI) verbaut werden, um innovative Lösungen für echte Probleme zu entwickeln. Oder wie mein Lieblings-PM es formuliert: „Wir machen Gas, Wasser, Daten.“ Und dafür lassen wir am besten echte Datenprofis ran, die bestehende unternehmerische Prozesse, erwünschte Resultate und neuartige Lösungen zusammen denken. So können sie effektiver als jeder WIRED-Autor entscheiden, ob beispielsweise wirklich ein Large Language Model aufgesetzt werden sollte – oder eine lineare Regression eigentlich besser zum Problem und der Datenarchitektur im Unternehmen passt.

Menschenzentriertes Daten Produkt Design

Auch wenn diese digitalen Produkte manchmal wie Zauberei erscheinen: Es gibt keine Abkürzungen im Produktentwicklungsprozess. Für jedes Produkt, was ernst genommen werden möchte, müssen Akteure und der Kontext, in dem es eingebettet wird, verstanden und die Lösung iterativ ausgestaltet und verprobt werden. Dafür braucht es neben den eigentlichen Developern auch Product Owner, Business-Experten, Service Designer und Datenschutz-Profis, die eng zusammenarbeiten.

Wie genau das in unserem data studio aussieht, erklären wir auf unserer brandneuen Landing Page. Denn obwohl wir auch eine dieser IT-Butzen mit Townhalls im Metaverse und NFTs als Weihnachtsgeschenk sind: (Be-)Denken first, digital second.

Gas, Wasser, Daten
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